Presseaussendung, 9.5.2013, Forum Fairer Handel
Die Spekulation auf Nahrungsmittel verschärft die Lage der Ärmsten der Welt. Anlässlich des internationalen Welt-Fair Trade-Tages ist die EU dazu aufgerufen, Reformen ihrer Politik zu setzen. Auch Finanzministerin Maria Fekter hat die Chance sich beim Rat der EU-Minister für mehr Gerechtigkeit weltweit einzusetzen.
Nun ist die Politik an der Reihe zu handeln.
Die Spekulation auf Nahrungsmittel erzeugt unberechenbare Preisschwankungen, welche Bäuerinnen und Bauern sowohl in ihrer Rolle als ProduzentInnen als auch als KonsumentInnen bedrohen. Starke Preisschwankungen machen kalkulierbares Wirtschaften unmöglich. Werden Lebensmittel plötzlich unerschwinglich teuer, gefährdet es die Ernährungssicherheit der ärmsten Bevölkerungsschichten.
Am 14.Mai hat Finanzministerin Maria Fekter die Chance, die exzessive Spekulation auf Nahrungsmittel einzudämmen. An diesem Tag wird beim Rat der EU-Finanzminister (ECOFIN) über die Revision der europäischen Finanzmarktrichtlinie MiFID II (Markets in Financial Instruments Directive) entschieden.
„60-70% der Preisschwankungen von Agrarrohstoffen entstehen durch Spekulationen auf den Finanzmärkten“, bezieht sich Veronika Mayr, die Koordinatorin vom Forum Fairer Handel, auf eine aktuelle Studie der ETH Zürich und der UNCTAD.
Gefordert ist die EU weiters in der Reform ihrer Agrarpolitik. Sie soll ein vielseitiges, ökologisches und kleinstrukturiertes Landwirtschaften ermöglichen. Die EU-Saatgutverordnung muss unbedingt überarbeitet werden. Nur so können Kleinbäuerinnen und –bauern in den sogenannten Entwicklungsländern, die in jahrtausende alter bäuerlicher Praxis die Weitergabe von Saatgut praktizieren, vor der Kriminalisierung geschützt werden. Diese Forderungen an die Politik sind Kern der Kampagne „öko&fair ernährt mehr!“. Sie wird unter anderem von der ARGE Weltläden und der Menschenrechtsorganisation FIAN, die sich für das Menschenrecht auf Nahrung einsetzt, getragen. Sie informiert BürgerInnen darüber, wie sie Artenvielfalt und faire Produktionsbedingungen unterstützen können
Der Faire Handel ist aktueller denn je.
Am 11. Mai wird weltweit der Welt-Fair Trade-Tag gefeiert. In mehr als 70 Ländern finden dazu Aktivitäten statt. Auch Österreich als Traditionsland des Fairen Handels hat viel zu feiern. Etliche der über 90 Weltläden feiern bereits ihren 30. Geburtstag, die Gütesiegelorganisation FAIRTRADE jubiliert zum 20jährigen Bestehen und die EZA Fairer Handel praktiziert bereits seit 1975 internationale Handelsbeziehungen, die auf Dialog, Transparenz und Respekt beruhen. Am 17.Mai wird Himberg zur 100. österreichischen FAIRTRADE-Gemeinde gekürt. FAIRTRADE-Gemeinden verankern den fairen Handel auf
lokaler Ebene. Neben Bewusstseinsbildung stellen sie auf die Beschaffung fair gehandelter Produkte in der Gemeinde um.
Der Absatz fair gehandelter Produkte in Österreich ist nach wie vor im Steigen. KonsumentInnen setzen mit ihrer Kaufentscheidung ein Statement für gerechte Handelsstrukturen und unterstützen ganz konkret ProduzentInnen durch Fairen Handel ihren Weg aus der Armut zu finden.
Wie wichtig es ist, den Fairen Handel als Handelsmodell zu etablieren, zeigt auch der Fabriksbrand in Bangladesch im April. Mehr als 700 Menschen wurden an ihrem Arbeitsplatz, einer Textilfabrik, getötet. Vorkommnisse dieser Art häufen sich und können durch faire Produktions- und Arbeitsbedingungen vermieden werden. Hier sind Wirtschaft und Politik zum Handeln aufgerufen.
Das Forum Fairer Handel vernetzt die wichtigsten österreichischen AkteurInnen des Fairen Handels und setzt sich für gerechte Handels-, Produktions- und Lebensbedingungen für die ProduzentInnen in den Ländern des globalen Südens ein.
Brussels 28 January 2013 - On the eve of the job interviews that will be held at the World Trade Organization (WTO) with the candidates to replace the current Director-General, Pascal Lamy, civil society networks point out gaps in the job description. They call on WTO members to appoint a leader with a recognised track-record in making trade serve the wider interests of society.
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Film von Miki Mistrati
Seitdem bekannt wurde, dass Kindersklaverei zum Alltag auf den Kakaoplantagen an der Elfenbeinküste gehört, kämpfen die großen Schokoladenhersteller wie Nestle, Mars oder Cargill um das Vertrauen der Verbraucher: Sie versprechen Schulen, medizinische Versorgung, Bildungsprogramme. So soll das Leben der Kinder und der Bauern vor Ort erträglicher werden, damit wir in Deutschland Schokolade wieder ohne schlechtes Gewissen genießen können.
Der Dokumentarfilmer Miki Mistrati will all diese versprochenen Hilfsprojekte der Schokoladenindustrie an der Elfenbeinküste besuchen, sich ein eigenes Bild machen. Doch er darf nicht einreisen. Denn die Botschaft erteilt das Visum nur, wenn eine Einladung der Schokoladenindustrie vorliegt. Doch alle Schokoladenfirmen und Verbände verweigern diese Einladung.
Warum darf Miki Mistrati diese Projekte nicht besuchen? Warum nicht selber sehen, was angeblich Gutes getan wird? Es gelingt Miki Mistratis Team dennoch, an die Elfenbeinküste zu reisen. Die investigative Dokumentation „Schmutzige Schokolade II" schaut einer Branche auf die Finger, die seit Jahrzehnten weiß, dass sie ein großes Imageproblem hat. Missbräuchliche Kinderarbeit sei unter keinen Umständen akzeptabel, so immer wieder ihr Versprechen an die Verbraucher. Die Firmen verweisen auf ihre Zusammenarbeit mit Zertifizierern wie Rainforest Alliance und UTZ, deren Gütesiegel auf den Schokoprodukten dem Verbraucher mehr Sicherheit geben soll, Produkte aus Kinderarbeit zu vermeiden. Wie es aber tatsächlich vor Ort aussieht, das zeigt Miki Mistrati in der Dokumentation „Schmutzige Schokolade II". Er konfrontiert Hersteller und Zertifizierer mit schockierenden Bildern.
„Schmutzige Schokolade II" ist eine Koproduktion des NDR mit DR (Danmarks Radio) und der Produktionsfirma „Made in Copenhagen". Es ist bereits die zweite Zusammenarbeit des NDR mit Miki Mistrati und DR. Der Film „Schmutzige Schokolade", der 2010 im Ersten gezeigt wurde, enthüllte das System der Kinderhändler auf den Kakaofarmen an der Elfenbeinküste, erregte weltweites Aufsehen und wurde in über 20 Ländern ausgestrahlt.
Pressefrühstück: Das Forum Fairer Handel stellt sich vor!
Bei fair gehandeltem Kaffee im Rahmen eines Pressefrühstücks stellte sich das Forum Fairer Handel am 21.06.2012 in Wien vor. Das Netzwerk von AkteurInnen des Fairen Handels wurde mit dem Ziel gegründet, den Fairen Handel zu fördern und jene Rahmenbedingungen einzufordern, die zu seiner Durchsetzung vonnöten sind.
Am Podium sprachen Andrea Reitinger (EZA Fairer Handel), Cornelia Staritz (ÖFSE), Sophie Veßel (Koordinatorin des Forum Fairer Handel) und stellten das Hintergrundpapier "Volatile Rohstoffpreise, Finanzmärkte und Auswirkungen auf ProduzentInnen des Fairen Handels anhand der Beispiele Kaffee und Weizen" sowie dessen politische Empfehlungen vor.
Hintergrund- und Positionspapier
Rohstoffmärkte unter Preisdruck: Volatile Rohstoffpreise, Finanzmärkte und Auswirkungen auf ProduzentInnen des Fairen Handels anhand der Beispiele Kaffee und Weizen
Gemeinsam mit der ÖFSE präsentiert das Forum Fairer Handel ein Hintergrund- und Positionspapier zu den Auswirkungen der Finanzialisierung der Rohstoffmärkte auf die Preisentwicklungen von Rohstoffen an den Beispielen Kaffee und Weizen.
Die Preise von Rohstoffen aller Art steigen seit 2002 und sind vor allem seit 2008 starken Schwankungen unterworfen, die auch die ProduzentInnen des Fairen Handels belasten. Eine bedeutende Ursache dieser hoch volatilen Preise sind Spekulationen von FinanzinvestorInnen auf den Rohstoffmärkten. Das Hintergrundpapier widmet sich der Veränderung der Rohstoffmärkte, ihren Auswirkungen auf Preisentwicklungen sowie Auswirkungen auf ProduzentInnen des Fairen Handels und schließt mit politischen Empfehlungen.
In einem Positionspapier sind die Ergebnisse des Hintergrundpapiers sowie deren politische Empfehlungen zusammengefasst.
Hintergrund- und Positionspapier sowie die Pressemeldung vom 21.6.2012 finden Sie unter dem Bereich Themen zum Download.


